Es gibt keine ärztliche Überlegung oder Handlung, die nicht theoriegeleitet ist. Der grosse Physiologe des 19. Jahrhunderts, Johannes Müller, sagte: "Die Sinnesempfindungen sind keine Abbilder der Eigenschaften der Objekte, sondern entstehen, weil der lebende Organismus den Veränderungen, welche die Reize in den Rezeptoren seiner Sinnesorgane erzeugen, eine Bedeutung beimisst." Ein mechanistisches Modell der Medizin, das die individuelle Wirklichkeit des Menschen mit seiner Persönlichkeit und Geschichte nicht reflektierend einbezieht, setzt ihn Gefahren durch die Chirurgie aus; psychosomatische Konzepte tragen zur Verminderung dieser Gefahren bei. Wenn der Chirurg die psychische und die soziale Dimension in seine Theorie der Medizin integriert (nicht addiert), lässt sich die Frage, ob psychosomatische Konzepte der Chirurgie etwas zu bieten haben, beantworten: Sie helfen vermeiden, dass ein Patient mit einem konversionsbedingten, atypischen Gesichtsschmerz operiert wird. Sie tragen dazu bei, dass Patienten nach Schenkelhalsoperationen früher entlassen werden und nach Hause zurückkehren können. Sie lassen erkennen, dass bei stark körperbezogenen Menschen gewisse, die Phantasie von U
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